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Version: 20100226
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Texte aus meiner Hand
"Die Reise"
Mit gepackten Koffern stand er am Hafen. Er war den langen Weg von seinem kleinen
verschlafenen Heimatdorf bis hierher angereist, um endlich die lang ersehnte Weltreise
antreten zu können. Wie lange hatte er sich diesen Augenblick gewünscht:
Endlich konnte er etwas von der Welt sehen. Der reisebegeisterte Lukas, ein Mann
in den besten Jahren seines Lebens, liebte es nämlich, fremde Länder zu besuchen
und etwas von fremden Kulturen kennen zu lernen. Er lief die riesige Treppe hinauf und
gelangte nun an Deck des Luxusschiffes. Lange musste er für die 5000 € sparen,
die ihn dieses Abenteuer kosten würde. Oben angekommen sagte ihm ein Matrose,
wo er seine Kabine finden würde. Er schaffte seine Koffer in den kleinen Raum,
in dem gerade soviel Platz war, um ein Bett hineinzustellen und die Kleider auf
eine - an der Wand befestigte - Stange zu hängen.
Nachdem seine Koffer leer waren und er die passende Urlaubskleidung angezogen hatte, lief
er eilig an Deck, um auch ja nichts zu verpassen. Aber diesen Gedanken teilte er mit vielen
Anderen, die schon eilig hin und her liefen, um den teuer bezahlten Urlaub auch
genießen zu können. Lukas war ein Single. Eine Frau zu finden gestaltete sich
für ihn sehr schwierig, da er überwiegend Frauen im fortgeschrittenen
Lebensjahr bevorzugte. Diese gab es an Bord zwar reichlich, aber entweder waren
sie bereits vergeben oder sie suchten nach einem reicheren Mann, mit dem sie
einen erfüllten Lebensabend haben würden. Nachdem er endlich darüber hinweg
war, fühlte er einen Ruck. Es sollte endlich losgehen. Die Motoren waren
angeschaltet und der Anker wurde gelichtet. Die Reise konnte beginnen.
Da Lukas
nun die nächsten Stunden nur Wasser sehen würde beschloss er sich zunächst an
der Poolbar etwas zu erfrischen. So kam es, dass er bei einem eisgekühlten
Martini-Orange den Entschluss fasste, endlich mit seinem Single-Dasein Schluss
zu machen. Nachdem er das Glas genüsslich geleert hatte lief er eilig in seine
Kabine, um sich für den großen Eröffnungsball, welcher am Abend stattfinden
sollte, in Schale zu schmeißen. Um dabei attraktiv zu wirken, nahm er alle
Schmuckgegenstände, die er in seinem Gepäck fand und behang sich damit. Selbst
sein Rolex-lmitat, welches er vor Jahren einmal gekauft hatte, fand er in einer
Seitentasche, worüber er sich sehr freute. Nachdem er bereits aussah, als wäre
er neureich, bracht6 er, obwohl er so etwas sonst ablehnt, sein Zimmer noch in
einen fabelhaften Zustand, da er heute fest mit Damenbesuch rechnete. So konnte
der Abend seinen Lauf nehmen. Im Prunksaal des Schiffes angekommen, wo schon
viele eifrig beim Tanzen waren, ging er geradewegs auf die riesige Tanzfläche
zu, wo er zeigte, was er drauf hat. Immer wieder fielen ihm Frauen auf, die
verzweifelt einen Tanzpartner suchten, aber nachdem er schon hunderte Körbe zu
verzeichnen hatte, traute er sich auch nicht mehr.
Den ganzen Abend tanzte er allein, bis ihm die Füße wehtaten. Irgendwie hatte
er auch genug. Er verließ unauffällig den Tanzsaal und schlich bedrückt
zurück auf sein Zimmer. Dort warf er enttäuscht die Kleider von sich und wollte
nur noch schlafen. Der Eröffnungsball hatte ihn müde gemacht und so dachte
er noch: "Morgen wird alles besser" und schlief sanft ein.
"Im Regen"
Das Wasser läuft ihr in die Schuhe und dringt damit direkt durch die Fasern ihrer
Seidenstrumpfhose bis an die zarte Haut ihrer Füße. Doch momentan hat sie etwas
viel wichtigeres zu tun, als sich um eine Erkältung zu sorgen. Noch immer kann sie
diesen Augenblick nicht vergessen, diesen einen, kurzen Zeitpunkt, in dem ihr Leben eine
Kehrtwende nahm, in dem sie die wahre Liebe für sich entdeckte.
Nachdem sie jahrelang gesucht und viele Rückschläge erlebt hatte, fand sie nun
endlich den Mann, der ihr Leben entscheidend beeinflusst hatte, den Mann, der
ihr Verständnis von Liebe, ja, ihr gesamtes Ich neu definieren würde. Doch wem
sollte sie dies erzählen, wer würde ihre Gefühle wirklich verstehen? Zurzeit
hatte sie ja nur sich und ihren kleinen, fuchsroten Kater. Sie schlendert wie
in Trance die Baumann-Allee entlang, in der ihr normalerweise der Lärm der
Menschen, Geschäfte und Autos auf die Ohren drückte. Doch heute war es anders.
Heute bekommt sie von alle dem nichts mit, nicht einmal, dass sie bereits von oben
bis unten durchgeweicht ist. Mit beiden Händen hält sie ihr langes, weißes
Kleid fest, damit es nicht schmutzig wird, was aber ungewollter Weise dazu
führte, dass nun jeder bis zu den Knien ihre wundervollen Beine bewundern
konnte. Ihre langen, blonden Haare, welche sonst leicht gewellt vom Kopf
baumelten waren durch den Regen glatt und schwer geworden. Also band sie diese
auf dem Kopf zusammen. Die Regentropfen, welche sich in ihrer Haarpracht
verfingen reflektierten das Licht der Laternen am Straßenrand. Jeder
Vorbeigehende hätte denken können, sie sei ein Engel, der vom Himmel herab
gestiegen war.
Und wieder dachte sie an das Geschehene. Der Moment, der Mann, der Kuss. Blitzartig
schossen ihr Bilder durch den Kopf. Endlich würde ihr einsames Leben ein Ende
haben, endlich hatte sie jemanden, mit dem sie ihre Gefühle teilen konnte,
dem sie alles anvertrauen konnte. Plötzlich stand sie vor ihrer Haustür.
"So schnell war ich noch nie zu Hause", dachte sie, aber vielleicht
lag es daran, dass sie den gesamten Weg geträumt und so die Zeit vergessen
hatte. Sie schloss die Tür auf, lief eilig in ihre Wohnung, zog sich aus und
fiel mit vielen Vorsätzen für den nächsten Tag ins Bett. Vielleicht
würden ihre Träume das Geschehene noch einmal aufgreifen...
"Und Weg..." (Eine Kurzgeschichte)
Der alte Mann steigt in das Taxi ein. Schon den ganzen Morgen fürchtete er
sich vor dieser Situation. Was, wenn er jetzt gerade über das Radio gesucht
wird, was wenn der Taxifahrer ihn erkennen würde? Der Alte gibt dem Taxifahrer
die Anweisung, dass es zum Flughafen gehen soll. Dort angekommen verschwindet er
schnell in der Menge der Leute. Sichtlich erleichtert holte er sich ein Flugticket
nach New York um endlich Fliegen zu können. Er geht auf die Kontrolle zu, um
ihr das Ticket zu geben, als plötzlich eine Stimme sagt: "Hey Mister,
Moment bitte! Kann ich mal ihren Ausweis sehen?"
Erörterung zu "Was ist die Welt...?" von Christian Hofmann von Hofmannswaldau
Das Gedicht "Was ist die Welt...?" von Hofmannswaldau, welches er zur Zeit des
Barock schrieb, handelt davon, die Welt zu erklären und den Menschen dazu zu bringen, weiter zu
denken als nur im Umfang des Erdballs. Das Gedicht besteht aus 16 Versen mit
jeweils zehn bzw. elf Silben. Es ist hauptsächlich (außer in den Zeilen fünf
und sieben) in reinen Kreuzreimen geschrieben. Die Kadenzen und Silben wechseln
parallel zum Reimschema, wobei es im zweiten Vers eine Abweichung gibt (hier sind
es elf statt zehn Silben). Diese Abweichung ist darauf zurück zu führen, dass
Hofmannswaldau das Gedicht in drei Abschnitte gegliedert hat. Hofmannswaldau nutzt
im zweiten Vers elf Silben um so den ersten Abschnitt deutlicher machen. Diesen
ersten Abschnitt bilden die ersten zwei Verse, die lediglich aus zwei
rhetorischen Fragen bestehen. Inhaltlich werfen sie die Frage auf, was die Welt
denn überhaupt ist. Indem er diese zwei Fragen an den Anfang stellt, zeigt er
sofort, worum es in diesem Gedicht geht. Außerdem wird durch die rhetorischen
Fragen deutlich gemacht, dass es auf diese Fragen keine richtigen Antworten
gibt, denn noch heute beschäftigen sich schließlich mit der Frage ,,Was ist die
Welt?" etliche Wissenschaftler, Philosophen, Theologen...
Im zweiten Abschnitt (Vers drei bis acht) - versucht das lyrische Ich,
Antworten auf seine gestellten, rhetorischen Fragen zu bekommen. Dieser
Abschnitt ist noch einmal in zwei Teile gegliedert. Insgesamt zieht das lyrische
Ich pro Vers einen Vergleich. Mit Vers neun beginnt der dritte Abschnitt.
Inhaltlich geht es darum, den Menschen zu zeigen, dass es außer der doch
ziemlich vergänglichen Welt noch etwas anderes und beständigeres gibt. Außerdem
fordert das lyrische Ich die Menschen dazu auf, mit offeneren Augen durch das
Leben zu gehen und von materiellen Dingen loszulassen.
Inhaltlich spiegelt Hofmannswaldau mit seinem Gedicht also typische Ansichten
und Probleme aus der Zeit des Barock wider. Ein grundsätzliches Problem dieser
Zeit war der Gegensatz zwischen Prachtentfaltung und Todeserfahrung. Während
einerseits herrliche Bauten entstanden und Entdeckungen gemacht wurden, tobte
andererseits der Dreißigjährige Krieg, und die Pest zeigte den Menschen, dass
das Dasein begrenzt ist. Diese Tatsache zeigt sich in dem Gedicht unter anderem
durch strukturelle Elemente wie zum Beispiel die nochmalige Unterteilung des
zweiten Abschnitts. Im ersten Teil (Vers drei bis sechs) spricht das lyrische
Ich von Dingen mit kurzer Dauer (Symbole wie Blitz, Pflanzen) bzw. Dingen, die
nur zu sein scheinen. Der zweite Teil beinhaltet das Schlechte, was einem
Menschen zustoßen kann und durch eine Klimax ausgedrückt wird: Krankheit,
Ausbeutung, Tod. In diesem Teil kommt ganz deutlich der Vanitas (Gedanke des
Barock) durch. Alles auf der Erde ist vergänglich und nur von kurzer Dauer. Die
Gegensätzlichkeit wird aber auch durch inhaltliche Aspekte deutlich gemacht. Im
vierten Vers zum Beispiel ist die Rede von einem Blitz und "schwarzgewölkter
Nacht [...]", was durch Antithetik den Gegensatz zwischen hell (etwas schönem)
und dunkel (etwas unangenehmen) besonders charakterisiert. Betont wird der
Gegensatz noch dadurch, dass das lyrische Ich einen Blitz erwähnt, der
besonders hell ist und das Dunkel zweimal hervorhebt (schwarz und Nacht). Ein
weiterer Gedanke des Barock ist der Ausspruch "memento mori" (Gedenke, dass zu
sterblich bist). Auch dieses hat das lyrische Ich in diesem Gedicht
verarbeitet. Es weist immer wieder auf den Tod hin wie auch in den letzten
beiden Versen, wo die Rede davon ist "[...] in diesen Port gelangen [...]."
Hier steht die Metapher "Port" für das Ziel - also das Jenseits nach dem kurzen
Leben. In Vers sieben wird klar, dass das Bürgertum an Bedeutung verliert, was
auch typisch für den Barock war. Es ist die Rede von "ein(em) Sclavenhauß / da
alle Menschen dienen". Hierbei ist das Wort "Sclavenhauß" eine Metapher für den
Fürsten, der in der Zeit unter dem Auge Gottes auf dem Vormarsch war und daher
auch nicht abgesetzt werden konnte. Die Menschen sind ihm gefolgt, da er in
gewisser Weise ihre Verbindung zu Gott darstellte. Auch, dass Leidenschaften
verpönt waren, kommt in dem Gedicht vor allem in den Versen 13 und 14 deutlich
hervor. Der Mensch soll sich nicht mit falschen Federn schmücken und damit
"prangen" und die Lust, die die Erde versprüht als eine Last ansehen. Nur der
Mensch im "status zivilis" ist ein ehrbarer Mensch. Die ursprünglichen Menschen,
die sich auf Gefühle einließen, wurden als Pöbel beschimpft. Die typische Spannung
zwischen Welt und Gott wird deutlich, wenn man vor allem den zweiten und
dritten Abschnitt miteinander vergleicht. Im zweiten Abschnitt zählt das
lyrische Ich nur negative Dinge auf, die den Menschen das Leben erschweren. Die
positiven Dinge werden von vornherein ausgelassen und als bloßer Schein
beschrieben (Vers drei), was wiederum auf das Schlechte der Leidenschaften
zurück zu führen ist. Im dritten Abschnitt wird dann gesagt, dass die Menschen
erst lernen müssen, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen (Vers elf: "Komm
Seele / komm / und lerne weiter schauen"), um dieses zu erkennen. Nämlich dass
man sich während des Lebens auf Erden nicht verführen lassen soll und erkennen
muss, dass das Wahre erst mit dem Tod eintritt; der Gang ins Jenseits und das
Leben für Gott. Das Gedicht "Was ist die Welt...?" von Hofmannswaldau gibt also
die typischen Attribute des Barock wieder. Der Mensch fristet sein nicht
beeinflussbares, vergängliches Dasein in einer vergänglichen Welt, und seine
Hoffnung liegt in dem Glauben an Gott und in dem Leben nach dem Tod.
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Urheber: Markus Walther (1998-2009)
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